Dressed for success oder Opfer am Altar der Mode

Dressed for success oder Opfer am Altar der Mode
Wien Insight

Neulich las ich in einem Kundenmagazin über die Gefahr des modischen Nachahmens: „Copy-Cats laufen nämlich Gefahr, zum absoluten Fashion-Victim zu mutieren.“ Ungläubigkeit machte sich breit. Bis zu diesem Moment hielt ich ein Dasein als Fashion-Victim für etwas positives. Da musste eine zweite Meinung her. Freund M., zu diesem Thema befragt, meinte lakonisch: „Für mich ist Fashion-Victim was positives, denn in meinen Augen bist du eines und immer gut gekleidet.“ Soweit so schlecht, vielleicht sollte ich mein ganzes modisches Leben überdenken.
Da dies in Arbeit und gedankliche Verwirrung ausarten könnte, zog ich lieber das Wörterbuch zu Rate. „Fashion“ steht nicht nur für Mode, sondern auch für Art und Weise sowie Sitte, Brauch und Gewohnheit. In meinen Augen nichts Schlechtes. „Victim“ bedeutet schlicht und einfach Opfer. Aber muss das negativ sein? Laut Wikipedia (ich habe nichts hinzugefügt um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen – ehrlich!) bedeutet Opfer folgendes: die religiöse Darbringung an eine Gottheit, unter Verzicht Gegebenes, die durch ein Verbrechen geschädigte Person eines Verbrechens, eine von Naturkatastrophen geschädigte Personen, eine von bewaffneten Konflikten geschädigte Personen und im Schach das absichtliche Aufgeben eines Bauern oder einer Figur aus taktischen oder strategischen Gründen.
Zugegeben ein paar dieser Bedeutungen sind nicht erstrebenswert. Aber die „Darbringung an eine Gottheit“ und das „unter Verzicht gegebene“ sind doch irgendwie passend. Geben wir nicht unseren mehr oder weniger angebeteten Designern, Mode-Labels und Boutiquen etwas (manchmal unter Verzicht, ich nenne es das „Ich-kann-nicht-mehr-leben-ohne-dieses-Teil“-Syndrom) dar? Und geben wir manchmal nicht auch aus taktischen Gründen (zusätzlicher Platz im Kleiderkasten oder Schuhschrank) etwas auf (zum Beispiel Modelle der letzten Saison)?
Nach längeren Gedanken kam ich zu einem Schluss: Ich bin und bleibe ein Fashion-Victim im besten Sinn des Wortes. Ich kopiere nicht jeden Trend, sondern mache aus dem Angebot der Mode etwas, was mit gefällt und zu mir passt. Und sind wir uns einig: Nicht alle Teile von Dolce & Gabbana, Prada, Lacroix oder Jean-Paul Gaultier sind wirklich tragbar.
Also lasst uns weiterhin unsere Kreditkarten am Altar der Mode opfern!

Eure Renate