Grundlagenerforschung

Grundlagenerforschung
Etwas Denk & Kunst Stoff gefällig

Grundlagen sind elementare Gegebenheiten am Grund dieser oder jener Dinge. Oder in der Tiefe dieser oder jener Materien. Eine Lage am Grund ist, so gesehen, auch Ausgangslage für anderes, das jeweils darauf aufbauen kann. An der Oberfläche kann man nicht wirklich wissen, was einen „im Grunde“ erwartet. Sich damit zu befassen, ist etwas für Geister, die sich gerne vertiefen.

Für viele Zeitgeister ist das aber zu weit hergeholt. Sie denken primär in Kategorien der unmittelbaren Anwendbarkeit. Sie sehen in derart ungeahnten Sphären keine Praxisrelevanz. Die Frage, die sie zuallererst stellen, lautet: „Wozu brauchen wir das?“ Und wirklich konkrete Antwort darauf ist regelmäßig ein schwieriges Unterfangen. Aber wenn sich kein unmittelbarer Nutzen sehen ließe, dann erübrige sich auch eine weitere Verfolgung, meinen sie dann weiter. Freilich ist das eine sehr beschränkte, kurzsichtige Perspektive. (Und nicht bloß für die Forschung!) Der immer wieder auch als Kandidat für den Nobelpreis gehandelte Anton Zeilinger hat einmal gemeint, es gäbe viele Beispiele aus den Naturwissenschaften, die zeigten, dass sogar die Fantasie derer, die an einer bestimmten Forschung beteiligt waren, viel zu eng gewesen sei.

Wenn eine Forschung gedeihen soll, benötigt sie entsprechenden Freiraum. Einen Freiraum von allzu eng gefassten Vorgaben und Horizonten. Und für wirklich eingehende Befassungen. Unter anderem bedeutet das Unabhängigkeit von bloßen Auftragssituationen. Und genauso auch Freiheit von unmittelbar drängenden finanziellen Sorgen. Natürlich bedeutet es auch ein gewisses Risiko in alle möglichen Richtungen. Manchmal ergibt sich gewissermaßen ein großes Los. Viele andere Mühen erweisen sich aber auch – zumindest vorderhand, oder oberflächlich betrachtet – als vergeblich.

In jedem Fall steht außer Zweifel, dass zahllose zivilisatorische Errungenschaften, die wir heutzutage als selbstverständlich erachten und genießen, auf einer hinreichenden Freiheit der Forschung beruhen. Würde man sich allein am unmittelbaren Nutzenkalkül orientieren, würde der Grundlagenforschung kaum noch ein Geld zur Verfügung gestellt werden. Die Folgen davon hat Anton Zeilinger gleichfalls anschaulich auf den Punkt gebracht: „Wenn die Grundlagenforschung immer schon von den Anwendungen her motiviert gewesen wäre, dann hätte man keine elektrische Beleuchtung entwickelt, sondern wahnsinnig viel Geld in bessere Kerzen gesteckt.“ Also modernes Beispiel für eine entsprechend bedachte Praxis sei nur das renommierte Weizmann-Institut in Rehovot, nahe Tel Aviv, genannt. Es hat seinen primären Zweck nämlich gerade in der Grundlagenforschung. Man hört von vielen eigenwilligen Menschen, die dort am Werken sind. Nicht zuletzt deshalb sei Israel aber auch zu einem Hochtechnologie-Land geworden, liest man freilich genauso oft. Und um noch ein Beispiel betreffend die Grundlagen der neuzeitlichen Seeschifffahrt zu nennen: Einem gewissen Christoph Kolumbus kostete sein Ringen um Geldgeber für sein Vorhaben, den Westweg nach Indien zu finden, viele Jahre. Aber er hat es schließlich doch noch geschafft.