Living in a box oder der wichtigste Platz der Welt

Living in a box oder der wichtigste Platz der Welt
Wien Insight

Jedes Jahr im Herbst das gleiche Schauspiel: Es wird uns wieder ein neuer Trend verkauft. Mal heißt er „Cocooning“, mal das „neue Biedermeier“ und eigentlich ist es doch immer das gleiche und heißt ganz simpel „zu Hause“. Es stimmt, mit abnehmender Temperatur und steigendem Nebel ist der Wunsch Zeit draußen zu verbringen bei den meisten (Maroni-Süchtige ausgenommen) nicht besonders groß. Der richtige Zeitpunkt um sich mit den Trends für Einrichtung zu befassen.
Als erstes muss eines festgehalten werden: Nur weil es die unselige (und in meinen Augen überflüssige) Familie Putz es behauptet, ist grün nach lange kein Trend in dieser Saison. Denn wer will schon das Gefühl haben, in einem Heustadl zu wohnen? Bunt ist die Einrichtung, zugegeben. Die siebziger Jahre haben auch in der Wohnung ein Comeback. Deutlich zu erkennen im „Design 20th Century“ am Margaretenplatz. Plexiglas und Kunststoff so weit das Auge reicht. Möbel, die nostalgische Gefühle in einem auslösen (hoffentlich nicht nach ausgestellten Hosen und schlechter Discomusik). Und eine besonders große Auswahl an Lampen, die Menschen meiner Generation an ihr Kinderzimmer denken lassen. Einen Eyecatcher findet man dort auf jeden Fall.
Wer es lieber moderner, gradliniger und designter haben möchte, der ist im neuen Moos in der Schleifmühlgasse (www.moodwien.at) besser aufgehoben. Design – vorzugsweise aus Italien – von Arper bis Zeus. Und schönes Design muss nicht unbedingt teuer sein, denn die etwas kleinere Brieftasche wird dort ebenfalls fündig.
Wien dürfte überhaupt ein gutes Möbelpflaster sein – peppige Geschäfte im Freihausviertel oder in Bobostan (vulgo Neubau), aber auch international anerkannte Designer. Eine davon ist Annette Hinterwirth (www.annettehinterwirth.com). Sie hat in Wien studiert und designte bald darauf in Hollywood die Dekorationen für Filme mit Brad Pitt und George Clooney. Im Moment entwirft sie im 9. Bezirk Licht- und Sitzobjekte.
Bei so vielen Möglichkeiten ist es kein Wunder, dass man Lust bekommt, sich neu einzurichten. Vielleicht sollte man junge Spanier oder Italiener zu einem Einrichtungstrip nach Wien überreden. Denn dort überlegen sich die Regierungen, wie sie das „Hotel Mama“ schließen können. Mit Prämien und Mietzuschüssen sollen die Nesthocker dazu veranlasst werden endlich auszuziehen. Vielleicht reicht auch ein schöner Möbelkatalog.

Eure Renate