Was bedeutet „Verleugnung“?

Was bedeutet „Verleugnung“?
Etwas Denk & Kunst Stoff gefällig

ine staatliche Untersuchungskommission hat in Australien aufgedeckt, dass sieben Prozent der katholischen Geistlichen in den letzten 60 Jahren Kinder missbraucht haben. Resümierende Äuße-rungen von Gail Furness, Juristin und Mitglied der Kommission, liefern ein zutiefst ernüchterndes Bild. Kinder, die Hilfe suchten, seien von den Verantwortlichen ignoriert worden. In manchen Fällen hätte man sie sogar bestraft. Statt erhobenen Vorwürfen nachzugehen, hätten Bischöfe potenziel-le Täter in andere Kirchengemeinden versetzt. Informiert wurde über die Verdachtsmomente da-bei aber nicht. Überdies seien belastende Dokumente nicht aufbewahrt, sondern vielmehr ver-nichtet worden. Allgemein hätten sich die Diözesen nach einem Vorwurf des Kindsmissbrauchs deprimierend gleich verhalten. Was dominierte, waren Verschwiegenheit und Vertuschung. Auch das Zusammenwirken mit dem Vatikan wurde beklagt. Das Vorliegen von Dokumenten wurde auf Anfragen zu bestimmten Personen verneint. Und Auskünfte könnten keine erteilt werden, hatte es geheißen.

Man kann sich nun fragen, was das alles über die Katholische Kirche aussagt. Noch spezieller kann man sich fragen, was es über die Katholische Kirche Australiens aussagt. Aber man kann sich an-hand eines solch eklatanten Beispiels auch fragen, was die Formen des Umgangs mit unliebsamer Wahrheit über die Menschen im Allgemeinen sagen. Denn: Kennt man die genannten oder ähnli-che Mechanismen nicht auch noch von so vielen, ganz und gar anderen Zusammenhängen her? In ganz unterschiedlichen Variationen?

In allererster Linie ist jedoch zu fragen, was systematische Verleugnung für betroffene Opfer be-deutet, die keine „staatliche Untersuchungskommission“ auf ihrer Seite haben. Oder Rückhalt in vergleichbarer Form. Vor allem bedeutet es, dass sie schließlich auch noch als Lügner und Verleum-der dastehen. Womöglich sogar als krank. Die Gesellschaft vergeht sich damit an ihnen ein weiteres Mal. Doch ob Mittäterschaft oder Mitstreiterschaft, eines wird in jedem Falle klar: „Die Wahrheit“ ist auf weiten Strecken eine bloße Tochter der Macht.